Cornelias Mondfahrt

Eines schönen Frühlingsmorgens trug es sich zu, dass Gräfin Cornelia von Sieben-Bergen einen Ausflug durch ihre Lande unternahm. Ihre grüne Schlosskutsche Nr. 8 wartete schon um die Ecke, um sie zur gräflichen Privatschule zu befördern. Dort erteilte ihr Hofnarr Tiho, eingeflogen aus östlichen Gefilden, Unterricht im literarischen Possenreißen, Turner Reinhard trainierte sie mit allen Kräften im Denksport und schließlich lehrte sie Richter Otto, dass es sich bei chemischen Formeln zwar manchmal um Polymere, keinesfalls aber um Palindrome handelt.

Ein Blick in ihren vergoldeten Terminkalender ließ hierauf kaum eine Verschnaufpause zu, und so segelte sie nach einem kleinen bayerischen Imbiß im höfischen Schnellrestaurant Zrâts auf dem Canale Grande gen Süden.

Angelangt im Bezirk Chile-Bergen referierte Gräfin Cornelia vor den Ureinwohnern dieser gebirgigen Gegend über "Lazarillo de Tormes y la novela picaresca española". Leider ließ es der pflichtenreiche Tagesablauf der Gräfin nicht zu, länger zu verweilen, und so schnallte sie gewachste Holzbretter unter ihre zierlichen Füße und rauschte zurück ins Tal.

Es dämmerte schon, als sie andächtig die Schlosskirche des Hl. Philippus betrat, um dort im Abendgottesdienst eine kurze Zeit der Ruhe und Besinnung zu verbringen.

Doch auch dies währte nicht lange, denn nun rief das Nachtleben von Sieben-Bergen zu Spaß und Vergnügen. Durch einen Aperitif in die richtige Stimmung versetzt, eilte Gräfin Cornelia zum höfischen Ball, das Tanzbein zu schwingen. Lange blieb sie dabei selten allein, denn in Sieben-Bergen gab es viele hübsche Jünglinge, die mit der jungen Gräfin Bekanntschaft schlossen.

Ob und wo sie allerdings ihren Märchenprinz treffen wird (vielleicht beim nächsten Ball?), steht noch in den Sternen. Aber – wer weiß – vielleicht pflückt ihr schon bald ein charmanter Kavalier den güldenen Stern vom Himmel.

Hat Gräfin Cornelia in einer letzten Prüfung ihre Tauglichkeit bewiesen, wird sie erst einmal fremde Lande erkunden, um sich dann schließlich weiteren Studien zu widmen.

Julia & Moni